# AppRobotWebcam – Delay / Ruckler-Analyse ## Symptom Nach Umstieg auf WebRTC/H.264: Bild ruckelt, friert teils >1 s ein, manchmal bleibt ein Einzelbild ganz stehen. Im reinen MJPEG-Modus trat das **nicht** auf. ## Messung (2026-06-03) | Quelle | CPU | |--------|-----| | System gesamt | ~40 % | | **Container AppRobotGo2RTC** | **~95 %** | `docker stats` rechnet pro Kern: **95 % ≈ ein CPU-Kern voll ausgelastet.** → Flaschenhals ist **go2rtc (Encoding)**, nicht Netzwerk und nicht der Node-Server. --- ## Ursachenanalyse ### Ursache 1 — Software-H.264-Encoding sättigt die CPU Die Kamera liefert **MJPEG** nativ. WebRTC im Browser braucht aber **H.264**. go2rtc transcodiert also jeden Frame MJPEG→H.264 in Software (libx264). Zwei Kameras parallel → ein Kern voll. Wenn der Encoder nicht nachkommt, stauen sich Frames → Ruckeln und Aussetzer. > Verstärkt wurde es vorher durch `#video=h264#video=mjpeg`: das ließ go2rtc > **doppelt** encodieren (H.264 *und* MJPEG). Das `#video=mjpeg` ist inzwischen > in der Config entfernt — der Hauptkostenfaktor (H.264-Software-Encode) bleibt. ### Ursache 2 — Großes GOP (Keyframe-Abstand `-g 50`) go2rtc setzt standardmäßig ein Keyframe alle 50 Frames = **1,67 s bei 30 fps**. H.264 überträgt zwischen Keyframes nur Differenzbilder. Geht ein Paket verloren oder verbindet sich der Client neu, **wartet der Browser bis zum nächsten Keyframe** — bis zu 1,67 s Standbild. Das erklärt exakt das „ein Bild bleibt ganz stehen". ### Der Grundkonflikt - **MJPEG**: kein Encode (Kamera-nativ), kein GOP → flüssig, ~200 ms, höhere Bandbreite - **H.264/WebRTC**: ~130 ms, geringe Bandbreite → aber Encode-Last + GOP-Freezes Wir zahlen also CPU-Last und Komplexität für ~70 ms Latenzgewinn. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob wir die CPU-Last loswerden (Hardware-Encode / native H.264). --- ## Lösungsweg — geordnet nach Aufwand/Wirkung ### Schritt 1 (5 min) — Prüfen: kann die Kamera H.264 nativ? ```bash docker exec AppRobotGo2RTC v4l2-ctl --list-formats-ext -d /dev/video0 # v4l2-ctl fehlt im go2rtc-Image? → auf dem Host ausführen: v4l2-ctl --list-formats-ext -d /dev/video0 ``` - **Steht „H264" in der Liste** → go2rtc kann den Stream **durchreichen** (passthrough), praktisch NULL Encode-Last und niedrigste Latenz. Bestfall. - Steht nur MJPEG/YUYV → weiter mit Schritt 2. ### Schritt 2 (Hauptfix) — Hardware-Encoding (Intel QuickSync / VAAPI) Ein ThinkCentre hat fast sicher eine Intel-iGPU mit QuickSync. Damit wandert das H.264-Encoding von der CPU auf die GPU → **CPU von ~95 % auf ~10 %**. Prüfen ob GPU verfügbar: ```bash ls -l /dev/dri # renderD128 vorhanden? ``` Umsetzung (später): ```yaml # beim go2rtc-Service: devices: - /dev/video0:/dev/video0 - /dev/video2:/dev/video2 - /dev/dri:/dev/dri # ← GPU durchreichen # in der go2rtc-Config: streams: cam0: "ffmpeg:/dev/video0#video=h264#hardware" cam1: "ffmpeg:/dev/video2#video=h264#hardware" ``` ### Schritt 3 — GOP verkürzen (gegen Freeze nach Loss/Reconnect) Standard-Format erlaubt kein `-g`. Dafür `exec:`-Source mit eigenem FFmpeg-Befehl: ```yaml streams: cam0: - "exec:ffmpeg -hide_banner -f v4l2 -input_format mjpeg -video_size 640x480 -framerate 30 -i /dev/video0 -c:v h264_vaapi -g 15 -bf 0 -tune zerolatency -f rtsp {output}" ``` `-g 15` = Keyframe alle 0,5 s → Freeze nach Störung max 0,5 s statt 1,67 s. `-bf 0` = keine B-Frames (kein Lookahead-Delay). ### Schritt 4 — Stellschrauben (zusätzliche Reserve) - Auflösung 640×480 → **320×240** (viertelt die Encode-Pixel) - Framerate 30 → **15 fps** (halbiert die Encode-Frequenz) ### Schritt 5 (Fallback) — zurück zu MJPEG Falls Hardware-Encode nicht verfügbar ist oder zickt: - **kein Encode, kein GOP → keine Freezes**, stabil flüssig - ~200 ms Latenz (statt 130 ms), höhere Bandbreite — bei 1–3 LAN-Usern egal - go2rtc liefert MJPEG direkt; Viewer: `MODE = 'mjpeg'` oder simples `` --- ## Entscheidungsbaum ``` Kamera kann H.264 nativ? ──ja──► Passthrough (Schritt 1) ✓ fertig │ nein ▼ /dev/dri vorhanden? ──ja──► Hardware-Encode (Schritt 2) ✓ Hauptfix │ nein + GOP kürzen (Schritt 3) ▼ Latenz 200ms akzeptabel? ──ja──► MJPEG-Fallback (Schritt 5) ✓ robust │ nein ▼ Auflösung/fps senken (Schritt 4), notfalls 1 Kamera ``` ## Empfehlung Reihenfolge **1 → 2 → 3**: 1. Erst native H.264 prüfen (kostet 5 min, evtl. löst es alles). 2. Sonst Hardware-Encoding aktivieren — das ist der eigentliche Hebel gegen die 95 %. 3. Dann GOP kürzen, damit auch die Restfreezes verschwinden. **MJPEG (Schritt 5) ist der sichere Hafen**, falls die GPU nicht mitspielt: es war nachweislich flüssig, nur 70 ms langsamer. Für diesen Anwendungsfall (Roboter-Überwachung, 1–3 User) völlig ausreichend. ## Hi-Res-Snapshots — Analyse (Live-Video + Foto alle ~10 s) Ziel: schnelles Live-Video **und** gelegentlich (≈ alle 10 s) ein hochauflösendes Foto. ### Die entscheidende Einschränkung Eine USB-Kamera kann **gleichzeitig nur in einer Auflösung** geöffnet werden. Solange go2rtc das Device für den Live-Stream hält, kann kein zweiter Prozess parallel ein höher aufgelöstes Foto ziehen (Device belegt). → **Snapshot-Auflösung = Stream-Auflösung.** Es gibt keinen billigen Nebenweg zu einem höher aufgelösten Foto, solange der Stream klein läuft. `/api/frame.jpeg` decodiert immer einen Frame **aus dem laufenden Stream**. Konsequenz: Für Hi-Res-Fotos muss der **Stream selbst hochauflösend** laufen und fürs Live-Bild im Browser heruntergerechnet werden. Der Trick ist, das billig zu halten. ### Weg A — MJPEG hochauflösend (Passthrough) - Quelle: Kamera hochauflösend MJPEG → go2rtc reicht 1:1 durch, **kein Encode** - Snapshot: `/api/frame.jpeg` = voller Frame, **native JPEG-Qualität**, gratis - Live: MJPEG, im Browser auf 480 skaliert (~200 ms, war flüssig) - CPU ~5 %, keine Freezes. Preis: höhere LAN-Bandbreite (unkritisch bei 1–3 Usern) ### Weg B — WebRTC + Hardware-Encoding ◄ favorisiert, mit Bedingung - Quelle: Kamera hochauflösend; Live-Track H.264 **per Intel-GPU (QuickSync)** - Live: WebRTC ~130 ms, CPU ~10 % **Bedingung des Users: der Frame aus dem Stream MUSS hochauflösend sein.** Antwort: **ja, per Definition** — `/api/frame.jpeg` hat dieselbe Auflösung wie der Stream. Läuft H.264 in 1280×960, ist das Foto 1280×960. Garantiert durch die Config (Stream-Auflösung explizit hochauflösend setzen → WebRTC überträgt hochauflösend, Browser skaliert fürs Display herunter). **Qualitäts-Nuance:** Ein aus H.264 decodierter Frame ist leicht verlustbehaftet (H.264 → JPEG). Für ArUco meist ausreichend, aber nicht optimal. **Beste Variante (Hi-Res UND native Qualität)** — erst durch HW-Encode praktikabel: ```yaml # Quelle hochauflösend; H.264 (GPU) für Live + MJPEG-Passthrough für Snapshot cam0: "ffmpeg:/dev/video0#video=h264#hardware#video=mjpeg" ``` - Live-Track: H.264 per GPU (billig) - Snapshot-Track: MJPEG-Passthrough (gratis, kamera-nativ) - `/api/frame.jpeg` sollte den **MJPEG-Track** nehmen → volle Auflösung, native Qualität - Das ist `#video=h264#video=mjpeg` wie früher — aber OHNE Flaschenhals, weil nur H.264 die GPU nutzt und MJPEG reines Durchreichen ist. ### Vor Weg B zu verifizieren („sichergestellt" erst danach) 1. `ls -l /dev/dri` → ist `renderD128` vorhanden? (Intel-GPU verfügbar) 2. Hardware-Encode testweise aktivieren (`#hardware`) → fällt CPU wirklich von 95 %? 3. `/api/frame.jpeg?src=cam0` abrufen → **Auflösung prüfen** (hoch?) **und Qualität** 4. Klären, welchen Track `/api/frame.jpeg` bei `#video=h264#hardware#video=mjpeg` tatsächlich verwendet (MJPEG-Passthrough = native Qualität gewünscht) > Diese 4 Checks können nicht aus der Ferne garantiert werden — sie müssen am > ThinkCentre laufen. Erst danach ist Weg B „sichergestellt". ### Snapshot-Takt (alle ~10 s) Der 10-s-Takt erzeugt **keine** Dauerlast: pro Foto wird nur ein Frame aus dem ohnehin laufenden Stream abgegriffen. Trigger wahlweise: - Pull: Homing-Projekt ruft `/api/snapshot/cam0` alle 10 s ab (aktuell so vorgesehen) - Push: kleiner Timer im Node-Server, der das Foto ablegt / per Webhook sendet (Phase 5)