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2026-06-10 21:26:40 +02:00
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# Bestimmung der Y-Rotationsachse aus Marker-Positionen
## Problem
Wenn der Roboter um seine Y-Achse rotiert, bewegt sich jeder erkannte Marker auf einem **Kreisbogen** im 3D-Raum. Ziel ist es, Lage und Richtung dieser Rotationsachse aus den beobachteten Marker-Positionen (x, y, z) zu mehreren Zeitstempeln zu berechnen.
---
## Reichen zwei Positionen?
**Nein.** Zwei Punkte P₁, P₂ desselben Markers definieren nur eine Strecke. Die Rotationsachse muss durch die senkrechte Mittelebene dieser Strecke laufen aber *wo* genau in dieser Ebene und in welcher Richtung bleibt unbestimmt. Das System ist unterbestimmt.
| Beobachtungen | Bestimmbar? | Begründung |
|---|---|---|
| 1 Marker, 2 Positionen | Nein | Achse liegt irgendwo auf einer Halbebene |
| 1 Marker, 3 Positionen | **Ja** | Eindeutiger Umkreis → eindeutige Achse |
| N Marker, je ≥ 3 Positionen | Ja, überbestimmt | Least-Squares, robuster gegenüber Messrauschen |
---
## Mathematik: 1 Marker, 3 Positionen
Gegeben: P₁, P₂, P₃ ∈ ℝ³ (derselbe Marker zu drei verschiedenen Rotationswinkeln).
Da die Rotation starr ist, liegen P₁, P₂, P₃ auf einem **Kreis**, dessen Ebene senkrecht zur Rotationsachse steht.
### Schritt 1 Achsenrichtung (Normalenvektor der Kreisebene)
```
v₁ = P₂ P₁
v₂ = P₃ P₁
n = (v₁ × v₂) / |v₁ × v₂| ← Einheitsvektor entlang der Rotationsachse
```
### Schritt 2 Mittelpunkt des Kreises (Umkreismittelpunkt)
Der Umkreismittelpunkt C liegt in der Ebene der drei Punkte und ist von allen drei Punkten gleich weit entfernt. Er ist ein Punkt **auf der Rotationsachse**.
Berechnung über Baryzentrischen Koordinaten:
```
a² = |P₂ P₃|²
b² = |P₁ P₃|²
c² = |P₁ P₂|²
w₁ = a²·(b² + c² a²)
w₂ = b²·(a² + c² b²)
w₃ = c²·(a² + b² c²)
C = (w₁·P₁ + w₂·P₂ + w₃·P₃) / (w₁ + w₂ + w₃)
```
### Schritt 3 Rotationsachse
```
Achse: r(t) = C + t·n, t ∈
```
---
## Mathematik: N Marker, je ≥ 3 Positionen (Least Squares)
Jeder Marker i liefert:
- einen Schätzwert **Cᵢ** (Umkreismittelpunkt, Punkt auf der Achse)
- einen Schätzwert **nᵢ** (Normalenvektor, Achsenrichtung)
### Achsenrichtung (gemittelt / PCA)
Wegen möglichem Vorzeichenambiguität alle nᵢ auf dasselbe Halbraum ausrichten, dann:
```
n̄ = mean(nᵢ) / |mean(nᵢ)|
```
Robuster: **PCA** über die Matrix der nᵢ-Vektoren → erster Hauptkomponentenvektor.
### Achsenposition (Least Squares)
Minimiere die quadratischen Abstände aller Umkreismittelpunkte Cᵢ zur gesuchten Geraden `r(t) = A + t·n̄`:
```
Abstand² von Cᵢ zur Achse = |Cᵢ A|² ((Cᵢ A)·n̄)²
```
Ableitung null setzen liefert:
```
A = C̄ (C̄·n̄)·n̄ + (C̄·n̄)·n̄ = C̄ (Referenzpunkt = Schwerpunkt der Cᵢ)
```
d. h., der **Schwerpunkt der Umkreismittelpunkte** ist der optimale Referenzpunkt auf der Achse. Die Achsenrichtung n̄ bleibt unverändert.
**Verbleibender Fehler** (Residuum pro Marker):
```
εᵢ = |(Cᵢ C̄) ((Cᵢ C̄)·n̄)·n̄|
```
Große εᵢ deuten auf einen fehlerhaften Marker oder eine nicht-rotatorische Bewegungskomponente hin.
---
## Praktische Empfehlung
- **Mindestens 3 Zeitstempel** pro Marker, verteilt über einen Winkelbereich von ≥ 30° (sonst ist der Kreis numerisch schlecht konditioniert).
- **34 Marker** mit je 3 Positionen sind ausreichend für eine stabile Schätzung.
- Die Rotationswinkel müssen nicht bekannt sein nur die 3D-Koordinaten der Marker.
- Bei sehr kleinen Winkeln (< 10°) ist die Bestimmung numerisch instabil; größere Drehungen bevorzugen.
---
## Zusammenfassung
```
Eingabe: Marker-Positionen P[marker][timestamp] ∈ ℝ³
(mind. 3 Timestamps pro Marker, mind. 1 Marker)
Pro Marker:
1. n_i = normalize((P2-P1) × (P3-P1)) ← Achsenrichtung
2. C_i = Umkreismittelpunkt(P1, P2, P3) ← Punkt auf Achse
Kombination:
3. n̄ = normalize(mean(n_i)) ← beste Achsenrichtung
4. C̄ = mean(C_i) ← bester Referenzpunkt
Ergebnis: Rotationsachse r(t) = C̄ + t·n̄
```