# ToDo 3 — Konfiguration ## Ausgangslage Konfiguration ist aktuell über drei Orte verstreut: | Ort | Beispiele | |-----|-----------| | Hardcodiert im Code | Controller-Ports (2300, 5000), Passphrase `'abcd'` | | Env-Variablen | `GRBL_BASE_IP`, `ROBOT_DEFAULT_FEEDRATE`, `PORT`, … | | `robot.json` | Geometrie, Rendering-Parameter, Pose-Estimation-Optionen | Ergebnis: Wer einen Roboter in einer anderen Umgebung betreibt, muss Code lesen, um zu wissen was anzupassen ist. Und es ist unklar, welches Programm für welchen Abschnitt zuständig ist. --- ## Architektur-Entscheidung **`robot.json` ist die einzige Wahrheitsquelle für alles, was roboter-spezifisch ist.** Eine robot.json beschreibt einen konkreten Roboter vollständig — sie kann weitergegeben werden, wenn der Roboter in einer anderen Umgebung eingesetzt wird. **Env-Variablen bleiben nur für deployment-spezifische Werte,** die nichts mit dem Roboter selbst zu tun haben: | Variable | Grund | |----------|-------| | `PORT` (2095/2098) | Server-Port ändert sich je Deployment, nicht je Roboter | | `HTTPS_KEY_PATH`, `HTTPS_CERT_PATH`, `HTTPS_PASSPHRASE` | Sicherheits-Infrastruktur | | `ROBOT_API_KEY` | Geheimnis, darf nie in einer weitergebbaren Datei stehen | --- ## Änderungen an `robot.json` ### 1 — Kinematik-Typ (`kinematics`) Die Kinematik-Parameter (Armlängen, Achsen, Gelenk-Kette) sind bereits vollständig in `links` enthalten und werden von `robot/RobotConfig.js` daraus abgeleitet. Einzig der Name des Solver-Algorithmus fehlt noch: ```json "kinematics": { "_owner": "appRobotDriver", "type": "arm3segmentlinearx" } ``` Kein Duplizieren von `links`-Daten. `RobotConfig.js` liest z.B.: - `links.Arm1.skeleton.to[1]` → l1 - `links.Ellbow.skeleton.to[0]` → l3 ### 2 — Feedrate und Controller-Zuordnung in `jointToParent` Beide Infos gehören direkt zum Gelenk, weil sie die Hardware-Eigenschaft eines konkreten Joints beschreiben: ```json "jointToParent": { "name": "Slider", "type": "linear", "axis": [1, 0, 0], "origin": [0, 0, 16], "variable": "x", "feedrate": 2000, "controller": "base" } ``` - `feedrate` — maximale Vorschubgeschwindigkeit dieses Joints in mm/min (linear) oder °/min (revolute). Überschreibt den globalen Default aus `motion.defaultFeedrate`. - `controller` — Verweis auf den Schlüssel in `controllers`. Darüber weiss der Driver, welche Variable auf welchem Controller-Kanal liegt. Die heutigen hardcodierten Achszuordnungen (`'x','y','z'` / `'a',null,null` / …) werden damit überflüssig. ### 3 — Controller-Endpunkte (`controllers`) Top-Level-Abschnitt, nur IP und Port. Die Achszuordnung ergibt sich aus den `controller`-Verweisen in den Joints (kein Duplikat). ```json "controllers": { "_owner": "appRobotDriver", "base": { "ip": "fluidNcBase.local", "port": 2300, "protocol": "telnet" }, "elbow": { "ip": "fluidNcEllbow.local", "port": 5000, "protocol": "telnet" }, "hand": { "ip": "fluidNcHand.local", "port": 5000, "protocol": "telnet" } } ``` Der Driver liest `controllers` für IP/Port, scannt dann `links` nach `jointToParent.controller === "base"` und bekommt so `["x", "y", "z"]` als Achsliste. ### 4 — Globale Bewegungs-Defaults (`motion`) Werte, die für alle Joints gelten, sofern kein `feedrate` im Joint hinterlegt ist. Ausserdem Software-Flags, die keine natürliche Heimat in einem einzelnen Joint haben: ```json "motion": { "_owner": "appRobotDriver", "defaultFeedrate": 2300, "speedMode": "legacy", "speedModeOptions": ["legacy", "correct"] } ``` `speedMode` und `defaultFeedrate` lösen die Env-Vars `ROBOT_DEFAULT_FEEDRATE` und `ROBOT_SPEED_MODE` ab. --- ## Interne Abhängigkeiten in `robot.json` Mit `controller`-Verweisen in den Joints entstehen interne Cross-References. Die robot.json darf solche haben — das ist bewusste Design-Entscheidung, die Redundanz vermeidet. Ein späterer `validator.py` muss diese Konsistenz prüfen: | Referenz | Regel | |----------|-------| | `jointToParent.controller` → `controllers.*` | Jeder Verweis muss auf einen existierenden Controller-Schlüssel zeigen | | Marker-IDs | Jede ID darf global nur einmal vergeben sein | | `parent` in `links` | Muss auf einen existierenden Link zeigen, kein Zyklus | --- ## Verantwortlichkeits-Tabelle Jeder Abschnitt hat genau einen **Eigentümer** (das Programm, das diesen Abschnitt schreiben darf). Konsumenten lesen nur. | Abschnitt | Eigentümer (`_owner`) | Konsumenten | |-----------|----------------------|-------------| | `kinematics` | **appRobotDriver** | appRobotDriver (via RobotConfig.js) | | `motion` | **appRobotDriver** | appRobotDriver | | `controllers` | **appRobotDriver** | appRobotDriver | | `units` | **appRobotDriver** | alle | | `links` (inkl. `jointToParent.feedrate`, `.controller`) | **appRobotDriver** — Homing darf Marker-Positionen/-Normalen aktualisieren (via PUT /api/robot), aber keine Driver-Felder (`feedrate`, `controller`) verändern | alle | | `vision_config` | — | appRobotHoming | | `constraint_rules`, `observation_weighting`, `multiview_calculation`, `pose_estimation`, `state_pose_params` | — | appRobotHoming | | `renderingInfo` | — | appRobotRendering | | `robot_test_poses`, `test_camera_positions/targets` | — | appRobotHoming, appRobotRendering | | `defaultPosition` | — | appRobotDriver, appRobotRendering | | `coordinateSystem` | — | alle | Sektionen ohne `_owner` sind manuell konfiguriert und werden von keinem Programm automatisch überschrieben. Der Validator prüft, dass Homing in `links` nur die erlaubten Felder (`position`, `normal`, `spin`, `size` in Markern) verändert. --- ## Zugriffsmuster ### appRobotDriver — neues Modul `robot/RobotConfig.js` Der Driver liest robot.json synchron beim Start (direkt vom Disk, vor dem HTTP-Server-Start). `RobotConfig.js` ist der einzige Ort im Driver-Code, der robot.json kennt: ```js const cfg = RobotConfig.load(); // synchron, gibt typisierten Record zurück cfg.kinematics.type // → 'arm3segmentlinearx' cfg.kinematics.l1 // → 250 (abgeleitet aus links.Arm1.skeleton) cfg.motion.defaultFeedrate // → 2300 cfg.controllers // → { base: {ip, port}, elbow: {ip, port}, hand: {ip, port} } cfg.axesByController('base') // → ['x', 'y', 'z'] (abgeleitet aus links) ``` Alle `process.env`-Lesungen für roboter-spezifische Werte wandern hierher. Env-Vars bleiben als Override-Ebene (Env hat Vorrang vor robot.json — nützlich für Tests und schnelle Korrekturen ohne Datei-Änderung). ### Alle anderen Apps — HTTP GET ```js const robot = await fetch('https://appRobotDriver:2098/api/robot').then(r => r.json()); ``` Kein eigenes Zugriffs-Modul nötig. --- ## Umsetzungsschritte ### ✅ Schritt 1 — `robot.json` erweitern - Abschnitte `kinematics`, `motion`, `controllers` eintragen - In jedem `jointToParent`: `feedrate` und `controller` ergänzen - Hinweis: `controllers` enthält explizite `axes`-Reihenfolge (Baum-Traversal liefert für Hand-Controller falsche Reihenfolge) - Beide Kopien aktualisiert: `appRobotRendering/data/robot/robot.json` und `appRobotDriver/data/robot/robot.json` ### ✅ Schritt 2 — `robot/RobotConfig.js` anlegen - Liest robot.json synchron - Leitet l1/l2/l3 aus `links.*.skeleton.to` ab (behebt alten Bug: `Ellbow.size[0]` existierte nicht) - Gibt `axesByController(key)` aus `controllers[key].axes` zurück - Gibt typisierten Record mit Fallbacks zurück - Env-Override-Ebene: GRBL_*_IP, ROBOT_DEFAULT_FEEDRATE, ROBOT_SPEED_MODE, ROBOT_USE_SPEED_CALC ### ✅ Schritt 3 — `startRobot.js` und `RobotBase.js` umstellen - `startRobot.js`: `readArmLengthsFromConfig` entfernt, ersetzt durch `RobotConfig.load()`; Controller-Setup config-getrieben (keine hardcodierten IPs/Ports/Achsen mehr) - `RobotBase.js`: akzeptiert optionalen `config`-Parameter im Konstruktor; Env-Vars bleiben als Fallback - `Arm3SegmentLinearX` und `Arm3SegmentRotaryBase`: reichen `config`/`params` an `super()` durch ### ✅ Schritt 4 — HTTPS-Passphrase aus Env-Variable `HTTPS_PASSPHRASE` lesen statt hardcodiertem `'abcd'`. Default bleibt `'abcd'` für lokale Entwicklung. ### ✅ Schritt 5 — `logs/`-Verzeichnis automatisch anlegen `fsModule.mkdirSync?.('logs', { recursive: true })` in `startRobot.js` nach erfolgreichem HTTPS-Load. Bestehende `ensureLogDir()` in `InputWS.js` bleibt als zweite Absicherung. --- ## Nicht in dieser ToDo - JSON-Schema-Validierung (separates Ticket, koordiniert mit dem geplanten `validator.py`) - Laufzeit-Reload von robot.json ohne Neustart - `speedMode` Details → ToDo 6a